Einblick No. 45 // Alumni

nach Kambodscha

Drei Monate in der Hauptstadt Kambodschas, eine Schule, Film und Theater und etwas Ausstattung – das sind die Zutaten für Eileens Praxissemester. Natürlich alles lange nach dem FSJ Kultur. Folgt man ihrem Bericht, bekommt man schnell eine Ahnung, was diese beiden Abenteuer gemeinsam haben.

Einblick No. 45

Nach meinem FSJ Kultur stand fest: ich werde studieren. Doch was? Irgendetwas mit Kultur und Medien!

Von der LKJ Mecklenburg-Vorpommern erfuhr ich im Rahmen der Bildungstage von dem Studiengang „Kultur- und Medienbildung“ an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. So bewarb ich mich und zog von der nordischen Heimat in den doch etwas anderen Süden. Mittlerweile studiere ich im 6. Semester und werde dieses Jahr meinen Bachelorabschluss absolvieren.

Die Entscheidung das Studium zu einer Herzenssache zu machen und Karriere oder Geld in den Hintergrund zu stellen, war für mich eine gute Entscheidung. Auch wenn es Mal nicht so läuft oder ein Seminar einfach nicht mein Ding ist, ist das Studium vor allem durch die viele Praxis genau das, was ich machen möchte und es macht eine Menge Spaß.

Im 5. Semester haben wir die Möglichkeit ein Projekt im Ausland durchzuführen. Da ich die beiden Wahlpflichtfächer Film und Theater (noch zur Auswahl steht: Musik und Kunst) gewählt habe, beschloss ich zusammen mit meiner Kommilitonin ein Film- und Theaterprojekt für Kinder und Jugendliche zu gestalten. Während meines Australienjahres hatte mich das Reisefieber gepackt und so stand fest: Es soll auf jeden Fall wieder ins Ausland gehen. Am besten Mal was ganz anderes. Von einer Freundin hatte ich von einer gemeinnützigen Organisation in Kambodscha gehört, die kostenlosen Schulunterricht für Kinder und Jugendliche aus ärmeren Verhältnissen anbietet. Das hörte sich doch nach einer perfekten Gelegenheit an. Doch halt! Kambodscha – wo ist das überhaupt? Die meisten Leute fragten mich: In Afrika? Nein, Kambodscha liegt in Südostasien und grenzt an Thailand, Laos und Vietnam. Es ist geprägt von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den 1970er Jahren bei der über drei Viertel der Kambodschaner von der eigenen Regierung getötet wurden. Heute ist es eines der ärmsten Länder der Welt.

Film und Theater als Zukunftschance – ein Projekt mit Kindern und Jugendlichen in Kambodscha

Es ging nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, wo wir die drei Monate in einem Vorort verbrachten. Nach einem ersten Kulturschock versuchten wir uns langsam an den Schulalltag und vor allem das Wetter zu gewöhnen. Jeden Tag prasselten so viele Eindrücke, Gerüche, Farben und Menschen auf uns ein, dass wir total überwältigt waren. Unser Projekt kam gut an und wir hatten eine Menge Spaß im Theaterworkshop und der Storyentwicklung mit der Filmklasse.

Den Rest der Zeit arbeiteten wir als Englischlehrerinnen und unterrichteten jeden Tag zwei bis drei Klassen auf verschiedenen Sprachniveaus. Auch wenn es oft anstrengend war, ließen uns die freudestrahlenden Gesichter der Kinder, ihre Umarmungen und ihre kleinen Zettelchen mit Bildern und Nachrichten wie „I love you teacher“ den Stress völlig vergessen.

In unseren Ferien reisten wir durch Kambodscha, entdeckten die wunderschöne Landschaft, probierten das asiatische Essen und lernten viele tolle Menschen und Kulturen kennen. Die Leute fragten uns, wie wir es in Phnom Penh aushalten, weil diese Stadt so dreckig, versmokt, laut und voller bettelnder Straßenkinder ist. Wir fühlten uns gekränkt, weil wir uns dort zu Hause fühlten und wir schon längst von dem treibenden Strom Phnom Penhs mitgerissen worden sind. Die Frau von der Wäscherei gegenüber nannte uns beim Namen, die Kioskbesitzerin wusste, dass wir Eiskaffee bestellen und die alte Dame mit den frittierten Bananen freute sich immer, wenn wir wieder an ihrem Stand vorbeischauten. Auch auf dem Markt waren wir bekannt und jeder freute sich, wenn wir mit unseren wenigen Brocken Khmer, der Landessprache die wir jeden Tag im strengen Unterricht lernten, versuchten einzukaufen.

Am Ende unseres Projektes veranstalteten wir eine Movie-Night und zeigten den Freunden und Familien der Kinder den selbstgedrehten Film „The Gay“ und ein paar Theaterszenen. Damit unsere Arbeit auch eine nachhaltige Wirkung erzielt, haben wir Spenden gesammelt, um Equipment vor Ort zu lassen. So haben die Kinder und Jugendlichen weiterhin die Möglichkeit kreative Projekte mit Laptops, Kameras, Stativen sowie Material zu Film- und Theaterübungen durchzuführen.

Stolz und Urteil

Insgesamt bin ich unendlich stolz auf die Schülerinnen und Schüler und auf das, was sie in den drei Monaten geschafft haben. Ich bin auch stolz auf mich selbst, dass ich das Projekt durchgezogen und dabei meine Grenzen gespürt und zum Teil überschritten habe. Die Arbeit hat mir gezeigt, dass Lehrerin nicht der richtige Beruf für mich gewesen wäre, dass jedoch Film und Theater genau das ist, was mir am Herzen liegt.

Nach meinem Bachelorabschluss im Sommer möchte ich gerne einen Master in Kultur- und Medienmanagement anfangen und natürlich die Welt bereisen und noch mehr über Menschen, Kulturen und mich selbst erfahren.

Eileen hat ihr FSJ Kultur 2011/2012 beim Volkstheater Rostock absolviert.

Der Projektfilm „The Gay“ ist zu sehen unter: https://www.youtube.com/watch?v=ztUlN9k16FI.

Bilder: Eileen
Text: Eileen