Einblick No. 15

Mim Schneider und die Kultur

Wenn Mim Schneider heute beantworten soll, was für sie „Kulturelle Bildung“ ist, dann sagt sie, dass sie erst anfängt die Bedeutung der Wortkombination zu begreifen. Und das, nachdem sie ein FSJ Kultur gemacht, nachdem sie angefangen hat Theaterwissenschaften zu studieren und nachdem sie sich auf eine Recherchereise durch Deutschland zu „Kultureller Bildung“ begeben hat. Um 12 Uhr 15 an einem Montag Ende Oktober ist Mim Schneider telefonisch erreichbar. Mitten im Lärm der universitären Mittagspause sitzt sie in einer ruhigeren Ecke in der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Hier hat sie vor ein paar Wochen angefangen Theaterwissenschaften zu studieren. Der Trubel im Hintergrund passt gut zu dem Trubel im Leben von Mim Schneider in den letzten Monaten. Viel Reisen, viele Orte, viele Menschen und Vieles lernen. Und im Handgepäck immer die Kultur.

So richtig angefangen hat alles mit dem FSJ Kultur; vor über einem Jahr. Ein Jahr in der Kultur; ein Jahr um herauszufinden, wohin es danach gehen soll. Im FSJ Kultur waren es zuerst die Menschen, tl_files/Dokumente und Bilder/FSJ Kultur/Einblicke/Mim Schneider beim Seminar.JPGdie sie begeisterten. „Das erste Seminar war ein WOW-Erlebnis. Da habe ich ‘Kulturmenschen‘ gefunden, das habe ich vorher nie erlebt. Menschen waren und sind wichtig. Aber auch die Weiterentwicklung der Vorstellung auf fachlicher, beruflicher Ebene. Das Theater begann aber schon zu Schulzeiten mit Theater AG und einem Ehrenamt im Jugendclub eine Rolle zu spielen. Doch durch den Workshop „Schauspiel“ bei einem Seminar der LKJ Baden-Württemberg während ihres FSJ Kultur, wurde es dann ernst. Zusammen mit ihrem damaligen Workshopleiter und heutigen Schauspiellehrer Emmanuel Bohn entwickelte sie nach dem Seminar den Plan für ihre weitere Ausbildung. So wurde es München und das Studium der Theaterwissenschaften, die den theoretischen Rahmen abdecken, neben dem Schauspielunterricht und der Arbeit bei den Kammerspielen Schwabing.

Zwei Aspekte machen das Theater für Mim Schneider so reizvoll. Das Spielen stillt den „Hunger auf Rollen, das Verkleiden, verschiedene Menschen zu sein“, erklärt sie und als Zuschauerin könne sie sich dem Wunsch nach etwas Anderem, einer ganzheitlichen Ästhetik und mehr Herz als Kopf hingeben. Das Studium verspricht nach den ersten Wochen auch „gute Einführungen, mit gutem Praxisbezug.“ Sie sei positiv überrascht, sagt sie. Außerdem sind die meisten Kommilitonen/-innen auch voller Geschichten: Tänzer/-innen, Schauspieler/-innen und viele andere, die vor dem Studium schon andere Erfahrungen gesammelten haben. „Da ist schon was unterschwellig passiert“, sagt Mim Schneider. Etwas, das einen zusammenschweißt, ohne dass man sich kennt.

Bei dem Filmprojekt der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) in Zusammenarbeit mit dem jfc Medienzentrum Köln war das auch so. Von dem Roadmovie über „Kulturelle Bildung“, das zum 50. Geburtstag der BKJ entstehen soll, hatte sie „generationstypisch“ über Facebook und die LKJ Baden-Württemberg gehört. Mim Schneider hatte einen freien Sommer vor sich und hat sich spontan mit einem selbstgestaltetetl_files/Dokumente und Bilder/FSJ Kultur/Einblicke/Mim Schneider und das Filmteam.jpegn Filmplakat beworben.  Seit Anfang des Sommers trifft sich das Filmteam regelmäßig und philosophiert über „Kulturelle Bildung“, sucht bundesweit Projekte und dreht und reist und spricht und schneidet. Mim Schneider bestätigt, dass auch hier sich die Zusammenarbeit total angenehm gestalte und arbeiten in einem reflektierten Team unglaublich Freude mache.

Nach ihrem FSJ Kultur, dem Filmprojekt und ihrer allgemeinen Erfahrung mit Kultur sagt sie, dass die Austauschebene bei „Kultureller Bildung“ besonders wichtig sei und, dass der Prozess niemals nur in eine Richtung läuft. „Alle sind Schüler und Lehrer gleichzeitig, weil jeder einen besonderen Blick auf die Welt und die Kunst hat.“ Der Begriff hat sich für sie erweitert. So passiert „Kulturelle Bildung“ auch, wenn man an einem freien Nachmittag mit Freunden nach draußen geht und ein Musikvideo zu einem Lied dreht.

Nach dem Gespräch entschwindet Mim Schneider wieder im Trubel der Universität, es gibt viel zu tun.

Text: jf.
Bilder: Tom Schneider, privat, BKJ

 

Mehr Informationen zum Roadmovie und zum Jubiläum der BKJ gibt es hier und hier
Und mehr Einblicke in das FSJ Kultur gibt es hier