Einblick No. 10 // Alumni

Engagement nach dem Freiwilligendienst

Ein Stipendium für das Freiwilligenkolleg der Robert-Bosch-Stiftung

Manchmal ist das FSJ Kultur nur eine Station auf dem Weg des Engagements. Während des Freiwilligendienstes wird man an die Hand genommen, erhält eine Aufwandsentschädigung, wird betreut und ins weitere Leben verabschiedet. Einige der Freiwilligen haben dann aber immer noch nicht genug. Sie haben Zeit und Muße, sich weiterhin freiwillig zu engagieren. Genau so viel eben, wie neben Uni und Leben, neben Arbeit und Freundschaften noch möglich ist. Diejenigen, die diesen Weg wählen, haben mannigfaltige Möglichkeiten, ihren Engagementwillen umzusetzen und auch dafür Unterstützung zu erhalten. So auch René, der Stipendiat im Freiwilligenkolleg ist und das Wort „Engagementbiografie“, das er selbst so oft benutzt, par excellence verkörpert.

Das Freiwilligenkolleg ist ein Projekt der Robert Bosch-Stiftung in der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland. Wird man unter den Bewerber/-innen ausgewählt, erhält man ein einjähriges Stipendium. Hier gibt es kein Geld, sondern dreieinhalb Seminarwochen, in denen sich die Kollegiaten/-innen begegnen und fortgebildet werden. Voraussetzung für eine Bewerbung ist nur, einmal in seinem Leben einen mindestens dreimonatigen Freiwilligendienst gemacht zu haben. René hatte sein FSJ Kultur am Staatstheater Darmstadt in der Theaterpädagogik absolviert. Er war bereits dort mit einem interessanten Paket an ehrenamtlichen Erfahrungen aufgetaucht und hatte überzeugt durch seine Eigen- und Leidenschaften: Lateinamerikanischer Tourniertanz, Jugendleiter-Card-Inhaber, Mitwirkender an Jugend-Musicalproduktionen in Fulda, Mitarbeit an Projekten zur Tanzförderung Jugendlicher und und und ... Das FSJ Kultur setzte dem ersten Engagement den Hut auf und brachte eine neue Richtung mit sich: Vom Tanz mehr zur Bühne – Vom selber machen mehr zum Vermitteln. Dass es danach nicht zu Ende sein konnte, scheint sich beim Blick auf diesen Lebenslauf von selbst zu erklären. Zwischen Umzugskartons, halb auf dem Weg zum neuen Studienort Hildesheim (er studiert „Szenische Künste“), entdeckte er die Ausschreibung für das Freiwilligenkolleg und dachte, dass neben dem Studium sicher noch Platz sei und das Kolleg die perfekte Möglichkeit, „das FSJ Kultur in irgendeiner Form noch ein Jahr am Leben zu erhalten“.

Im Freiwilligenkolleg treffen sich 20 Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Erfahrungshorizonten kommen. Sie haben Freiwillige Ökologische Jahre, Freiwillige Soziale Jahre in der Politik oder „einfach das FSJ“ gemacht. Der Großteil der Kollegiaten/-innen hat allerdings einen „Anderen Dienst im Ausland“, einen „EFD“ oder einen Freiwilligendienst mit „kulturweit“ oder „weltwärts“ absolviert. Vom Kennenlernwochenende über drei einwöchige Seminare lernen sich die Kollegiaten/-innen kennen und absolvieren ihr „straffes und sehr organisiertes Programm“, wie René berichtet. Sie erlernen dort, sich zu präsentierten, zu moderieren, und was Fundraising und Projektmanagement beinhaltet – immer ausgerichtet auf das Ziel, innerhalb des Jahres ein gemeinsames Projekt zu entwickeln und es schlussendlich potenziellen Förderern zu präsentieren. René arbeitet mit seiner Gruppe – eine Psychologin, ein Biochemiker und ein Spanischlehrer gehören noch dazu – an einem Projekt zur „Potenzialentfaltung junger Erwachsener durch Gestaltung und Bau“.

„Ich sehe für mich den Auftrag, meine persönliche Erfahrung im Bereich Kultur und Kunst an die anderen weiterzugeben. Das führt dazu, dass ich mich einem Biochemiker ‚Authentizität‘ erklären höre. Die Diskussion, die wir dazu hatten, war super und am Ende eine fachübergreifende Bereicherung für uns alle.“ Diesen Effekt hebt René im Gespräch immer wieder hervor. Dies ist tatsächlich – noch vor den geplanten Projekten – der Bonus des Kollegs. Aber auch wenn seine Begeisterung für das Freiwilligenkolleg deutlich zu spüren ist: An die familiäre Atmosphäre und die Möglichkeiten zur kreativen Mitgestaltung der FSJ Kultur-Seminare und an die so enge Bindung zu Gleichgesinnten aus dem Kulturbereich käme das Freiwilligenkolleg für René nicht heran. Dennoch: Wenn es um die inhaltliche und kreative Auseinandersetzung mit Begriffen, wie „Freiheit“ oder „Authentizität“ geht, sieht René für sich im Freiwilligenkolleg den Stein weiterrollen, der auf seinen FSJ Kultur-Seminaren angestoßen worden war.

Alle diese Aspekte bereichern René und seine künstlerische Arbeit so sehr, dass er weiter freiwillig aktiv sein wird. Er lehrt Kommilitonen/-innen allmonatlich das Tanzen, plant einen Beitritt in die Fachschaft, bewirbt sich aktuell für ein weiteres Stipendium und möchte sich im Alumni-Verein des Freiwilligenkollegs weiter engagieren. Es besteht kein Zweifel daran, dass hier ein sehr engagierter Mensch noch lange die Kulturwelt bereichern wird. 

von Annika Esser
Juni 2013